"Die Hesse komme"
Bad Berleburg - Marburg

Der Weg aus dieser Stadt gestaltet sich an diesem Morgen einmal ganz einfach: Man muss nur der B480 folgen. Anschließend geht es über die Eder, ein kleiner Fluss, der mehrere Kilometer weiter nordöstlich zu einem See wird.

Bis Marburg hin müsste das Land etwas flacher werden, das Sauerland, welches ja auch Land der 1000 Berge genannt wird, hat hier sein südliches Ende. Allerdings ist noch ein größerer Hügel mit einer langen Steigung zu überwinden. Während der Auffahrt nahen plötzlich die ersten Wolken von Süden um den bis jetzt noch knallblauen Himmel zu verdecken. Das wird wohl das angekündigte Gewittertief sein.

Oben auf dem Berg angekommen hat man noch einmal einen schönen Blick zurück aufs Sauerland. Als ich gerade ein Foto machen will, fängt es gerade an zu tröpfeln. Zum Glück blieb es bei einem Schauer und so konnte die Reise weiter in Richtung Marburg gehen. An der Lahn angekommen beschloss ich nicht an dieser bis Marburg entlang weiter zu fahren, sondern mitten durchs Land zu fahren. Zu dieser Entscheidung kam ich, da ich hörte, dass der Lahntalradweg nicht sehr gut ausgeschildert sei.

Auf einer Bundesstraße traf ich einen anderen Radfahrer, den ich auch sofort ansprach. Während wir langsam nebeneinander her fuhren, erfuhr ich von ihm, dass am Lahntalradweg gerade größere Bauarbeiten stattfinden und man nur über viele Umleitungen wieder zurück an die Lahn gelangen kann. Welch ein Glück, dass ich diesen Weg nicht gefahren bin. Als ich erzählte, dass ich aus Hamburg ganz hier her geradelt sei, war er beeindruckt von der Leistung – was müssen die Leute unten am Bodensee dann erst denken.

Nach Friedensdorf gab es dann eine längere Steigung, in der Sonne wurde es bergan schnell sehr heiß. Auf einem Thermometer an einer Tankstelle waren sogar 35°C abzulesen. Nachdem ich oben angekommen war und stehen blieb um die Aussicht zu genießen, fuhr plötzlich ein Autofahrer an mir vorbei. Dann bremsen, Rückwärtsgang, vor mir angehalten, Scheibe runter, aus dem Fenster gelehnt: „Kann ich ihnen helfen? Sie schauen so in der Gegend rum, haben sie sich verfahren?“

„Ne, ne! Danke! Ich genieße nur die Landschaft.“

„Achso. Na dann noch schöne Fahrt!“

Nach einer weiteren langen Steigung ging es zum Glück nur noch bergab bis in die Innenstadt von Marburg.

In der Jugendherberge hatte ich einen Zimmerkollegen, nicht sehr viel älter als ich, der nach Marburg gekommen war um hier zu studieren und sich zunächst einmal die Stadt ansehen wollte.

Später schaute auch ich mir die Stadt an und kaufte ein, als ich zur Jugendherberge zurück kam, traf ich einige ältere Radfahrer und unterhielt mich kurz mit ihnen. Wenig später kamen sie zu mir und dem angehenden Studenten ins Zimmer, da auch sie hier übernachten wollten.

Später am Abend beginnt es dann leider zu regnen. Trotzdem bewege ich mich aus der Herberge um zum Italiener zu gehen. Das Restaurant stellte sich später als echter Glücksgriff heraus, da dort eine klasse Atmosphäre herrschte: Die Kellner sprachen alle Italienisch, machte ihre Späße miteinander, witzelten und alberten rum, tanzten und sangen sogar zur Musik im Hintergrund. Diese gute Laune brauchte nicht lange um überzuschwappen und so gab ich am Ende viel Trinkgeld und beschloss am nächsten Abend wieder zu kommen.

Bevor ich ins Reich der Träume versank, unterhielt ich mich noch mit dem zukünftigen Studenten und einem weiteren Jurastudenten aus Bayreuth über alle möglichen Dinge.

 
Blick zurück aufs Sauerland Blick ins Lahntal   Marburg an der Lahn
  
Marburger Rathaus    Enge Altstadtgasse