Am nächsten Morgen bekomme ich vor der Abreise vom Hotelbesitzer einen Kaffe spendiert und als ich ihn frage, wie das Wetter in den nächsten Tag wird, bietet er mir an, dass wir ja mal eben schnell ins Internet gehen könnten. Nach diversen Windowsproblemen darf ich sogar noch meine Mails abrufen und ich erfahre, dass es in 2 Tagen regnen soll. Na klasse!
Anschließend will mir der Besitzer noch einen zweiten Kaffe ausgeben, aber ich lehne dankend ab, da ich los möchte. Draußen ist es schweinekalt und die ganze Stadt ist in eine einzige Wolke gehüllt. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei hundert Prozent. Während ich mein Rad bepacke bestaunt der Besitzer neugierig mein Rad. Vorallem die Hydraulikbremsen faszinieren ihn. Wie denn die Bremsen funktionieren würden? Hydraulisch. Mit Öl. Das begeistert ihn sichtlich und er ruft einem Freund zu „Hey, die Bremsen von dem Deutschen funktionieren glatt mit Öl!“. Sein Gegenüber schüttel jedoch nur den Kopf und murmelt etwas wie „Jaja...die Deutschen“.
Dann geht es endlich los. An der Abzweigung nach Jerzu hat man noch einmal einen schönen Blick auf Ulassai, welches am steilen Hang klebt und von einem kargen Felsen überragt wird.
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Serpentinen nach Jerzu |
Eigentlich wollte ich heute weiter durch die Berge fahren. Aber irgendwie hatte ich heute gar keine Lust mich anzustrengen und so zog ich eine flache Etappe vor. Nach zahlreichen Kehren bergab erreiche ich den Pass Genna e Cresia auf 267 Metern.
„Cagliari 100 Km“ weist mir ein Schild den Weg. So weit ist das ja gar nicht mehr. Plötzlich kommt mir eine Idee. Wie wäre es, wenn ich es heute noch bis Cagliari schaffe? Das wäre doch mal eine Herausforderung! Zumal ich dann einen Tag sparen würde und die Costa del Sud noch im Sonnenschein erleben könnte, bevor am nächsten Tag der Wetterumschwung kommt.
Da die Straße über die nächsten dreißig Kilometer die ganze Zeit leicht abfällt und zudem gut ausgebaut ist, trete ich gehörig in die Pedale und setze meine ganze Energie in eine Durchschnittsgeschwindigkeit von dreißig Kilometer pro Stunde um. Ich bin wie besessen von dem Gedanken Cagliari noch zu erreichen.
Um mich herum ist wieder der Frühling ausgebrochen. Blühende Wiesen und Bäume, links und rechts der Straße Kakteensträucher und ein paar liebliche Berge zu beiden Seiten des Tals. Die Strecke ist kein landschaftliches Highlight aber zum Kilometerfressen ideal.
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Liebliches Tal | Kakteensträucher |
Dann geht mein Tacho zum hundersten Mal auf dieser Reise wieder aus! Grrrr!! Nach der Reise kaufe ich mir endgültig einen neuen. Das habe ich mir bis jetzt jedes mal geschworen, aber doch nie umgesetzt.
Gegen Mittag erreiche ich Muravera, habe bereits 60 Kilometer auf dem Tacho und kaufe in einer Tabachheria Postkarten. 10 Euro? Für 6 Postkarten und Briefmarken? Als ich noch einmal auf den Kassenbeleg schaue kommt mir das ganze doch etwas spanisch vor. Ich gehe noch einmal in den Laden und frage nach, wie viel eine Postkarte kostet. „50 Cent“. Aber wie kann es dann sein...? Der Verkäufer schlägt die Hände über seinem Kopf zusammen. Er hatte in der Eile die Karten glatt zwei mal abgerechnet...
Anschließend kommen wir beide sogar noch ins Gespräch und in einem Englisch-Italienisch-Mix unterhalten wir uns über das wie, warum und wohin dieser Radreise. Dann kommt noch ein Freund dazu und der Ladenbesitzer erzählt von einem anderen Freund, der gerade in Australien umherreist. In just diesem Moment bringt der Postbote eine Karte des besagten Freundes und die Freude ist groß. Zum Abschluss bekomme ich vom Besitzer noch einen kleinen Sardinienaufkleber für meine Radtaschen geschenkt.
An der Küste mache ich mein erstes richtiges Frühstück und mache mich dann auf den Weg, um den letzten Gebirgszug vor Cagliari zu überqueren. Die Landschaft ist wie immer sehr nett. Schroffe, rote Felsen säumen die Schlucht in der die Straße verläuft. Leider ist etwas mehr Verkehr und mir begegnen zahlreiche Motorradfahrer. Der Weg zum Pass auf 426 Metern wird im Endeffekt doch noch sehr beschwerlich. Nach dem Verheizen der Kilometer am Morgen merke ich meine Beine doch ziemlich.
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Kurz vor Cagliari |
Nach der Abfahrt ist mal wieder keine Möglichkeit zum Wildcampen zu finden, als ich aber an einer Bar frage und die Ehefrau des Besitzers diesem entsprechend zuzwinkert, darf ich mein Zelt auf dem steinigen Boden hinter dem Restaurant aufstellen. Was ich wieder für ein Glück habe!
Ausgaben:
4,96€ Lebensmittel
6,65€ Postkarten