Am nächsten Morgen quäle ich mich die Treppe runter. Sogar beim Runtergehen sind meine Beine schwer wie Blei. Nach den obligatorischen Einkäufen mache ich mich auf den Weg nach Santadi. Die Straße steigt gleich mittelmäßig an und ich muss sofort eine Pause machen. Heute geht absolut gar nichts. Beim Aufstehen schien wenigstens noch die Sonne jetzt ist der Himmel komplett zugezogen. Der Wetterbericht sollte recht behalten. Langsam, ganz langsam und unmotiviert fahre ich die Straße weiter. Es ist ungewohnt kühl heute und bei den Abfahrten friert man sofort. Bei den Auffahrten schwitzt man sich hingegen zu Tode. Es ist genau das Wetter, für das es kein Patentrezept bezüglich der Bekleidung gibt.
Mehr schlecht als recht erreiche ich Santadi und der Blick schweift über die trübe Landschaft. Ein bisschen erinnert es mich heute ans Alpenvorland. Aber vielleicht auch nur, weil wir da einen Tag hatten, wo das Wetter genauso war.
Dann geht es weiter nach Acquacadda. Die Straße soll über zehn Kilometer nur einhundert Höhenmeter steigen. Das müsste ja eigentlich zu bewältigen sein. Leider vergaß ich bei diesem Gedanken, dass Straßen in Italien nicht etwa gleichmäßig steigen sondern immer wieder auf und ab gehen, sodass nur am Ende eine Höhendifferenz von einhundert Metern erreicht wird.
Im nächsten Ort stehen dann vier Frauen neben der Straße und unterhalten sich hitzig. Plötzlich sehen sie mich angeradelt kommen und plötzlich - von einer Sekunde auf die nächste - ist Ruhe zwischen den vier Damen. Stattdessen verfolgen mich ihre neugierigen Blicke. Anscheinend kommen hier nicht so viele Radfahrer vorbei.
Überhaupt ist mir aufgefallen, dass viele Leute einem Nachschauen, aber meist nicht grüßen. Wenn man dann selbst das Eis bricht und mit „Ciao“ grüßt wird aber immer freundlich zurückgegrüßt.
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Alte Burgruine |
Nach einer langen Abfahrt mache ich in einem kleinen Waldstück in der Nähe einer Burgruine Pause. Da ich recht gut in der Zeit bin beginne ich Postkarten und Tourtagebuch zu schreiben. Plötzlich kommen zwei kleine, streunende Hund angelaufen und betteln. Da sie mich wenigstens nicht anbellen, wie ihre Kollegen bis jetzt, kann ich mich dazu durchringen jedem ein halbes Brötchen zuzuwerfen. Dieses verschwindet sogleich in deren Mäulern und schon kommt ein dritter Hund dahergelaufen. Wenn man erste einmal anfängt...dann kommen sie alle...
Während ich weiterschreibe legen sich die drei Hunde sich vor mir hin und schauen mir zu.
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Bettelnder Hund |
Da es später sehr schwarz von Westen hochzieht, mache ich mich wieder auf den Weg und sehe zu in Richtung Decimomannu zu fahren, da ich von dort aus den Zug in Richtung Norden nehmen will.
Als ich am Straßenrand eine Pause mache, werde ich gleich von einem Bauern verscheucht und darauf hingewiesen, dass ich ja nicht auf die Idee kommen sollte hier wild zu campen. Ups.
Ich fahre nach Decimomannu hinein und frage einen jungen Mann nach Hotels hier in der Nähe. Ihm tut es sehr leid, dass er mich enttäuschen muss, da es in der Umgebung absolut keine Herbergen oder Hotels gibt. Aber ich könnte es ja mal bei der Natobasis in der Nähe versuchen, da gäbe es viele Deutsche. Damit ist mir nicht wirklich geholfen...
Als ich ihm meine weiteren Pläne schildere, meint er ich soll doch heute schon den Zug nehmen, da ich in jedem anderen Ort sicher mehr Hotels finde als hier.
Ich beherzige seinen Ratschlag und begebe mich zum Bahnhof. Draußen hat es begonnen stark zu stürmen und schließlich beginnt es zu schütten. Es ist richtiges Weltuntergangswetter.
Nur zu gut habe ich noch die Szene im Kopf, als Christian und ich es beinahe nicht geschafft hätten vor der Abfahrt des Zuges in diesen einzusteigen, da der Zugbegleiter die Türen schon schließen lies. Dementsprechend hektisch wird mein Einsteigen, welches auch noch von einigen Jugendlichen laut gröhlend mit ihrem Fotohandy festgehalten wird. Zu allem Übel lasse ich meinen Spanngurt auch noch auf dem Bahnsteig liegen.
Dann rollt der Zug los und als der Schaffner meine Fahrkarte kontrolliert, bittet er mich doch beim nächsten Halt das Fahrrad ganz ans andere Ende des Zuges zu bringen, da da mehr Platz sei. Na super! Noch mal so viel Stress. Doch der Schaffner ist sehr freundlich, hilft mir beim Ein- und Ausladen und so kann ich im Endeffekt doch eine ruhige Zugfahrt genießen. In Macomer angekommen, sind die beiden ersten Hotels, bei denen ich anfrage tatsächlich ausgebucht. Mit allem hätte ich gerechnet. Aber nicht damit, dass ein Hotel um diese Jahreszeit ausgebucht ist. Da es sonst keine weiteren Hotels gibt, bleibt mir nichts anderes übrig als ins drei Sterne Hotel zu gehen. Das wird teuer...
Aber ich bin überglücklich, als ich endlich ins Bett fallen kann. Dieses mal ist sogar geheizt.
Am Abend gibt es „Il signore degli anelli“ zu deutsch, „Der Herr der Ringe“ im Fernsehen und ich bin überrascht, wie viele Szenen in der italienischen Fassung enthalten sind, in der deutschen jedoch gar nicht auftauchen.
Ausgaben:
6,12 € Lebensmittel
33,60 € Hotel